Frühlingsbericht Januar – April 2008

April 20, 2008

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Frühlingsbericht Januar – April 2008

Liebe Freundinnen und Freunde

Wir grüssen Sie/Euch sehr herzlich aus Bethlehem und möchten Sie/Euch hiermit über die letzten Neuigkeiten im Projekt sowie die allgemeine Situation informieren.

 

Südlich und südwestlich von Bethlehem wird noch immer an der Apartheidmauer gebaut, die fünf Dörfer und Dahers Weinberg einschliessen und von der übrigen West Bank abtrennen wird. Um zum Weinberg zu gelangen muss man schon jetzt einen Umweg über Nashash nehmen, wo sich ein Checkpoint mit einem Tor befindet. Von Zeit zu Zeit kann es sein, dass dieses Tor für Stunden geschlossen bleibt und man lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Ist der Mauerbau einmal beendet und das erwähnte Tor ist passierbar, setzt man seinen Weg auf einer „Palästinenser-Strasse“ fort und gelangt durch einen Tunnel in die palästinensische Enklave.

 

Sämtliche Siedlungen rund um Bethlehem werden ständig vergrössert. Zudem ist zu beobachten, dass da und dort, umgeben von einem Stacheldrahtzaun, Container aufgestellt wurden, neben denen dann nach und nach Häuser gebaut werden.

 

Landprozess:

Nachdem das Militärkomitee mitgeteilt hat, dass wir das Land neu im israelischen Grundbuch registrieren lassen können, damit es als Privatbesitz anerkannt wird, haben wir den betreffenden Antrag gestellt. Nun warten wir auf eine Antwort.

 

Landwirtschaft:

Zwischen Januar und März 2008 haben wir unter Mithilfe von Gruppen und Einzelpersonen über 600 Bäume pflanzen können. Diese müssen zweimal pro Woche bewässert werden. Im vergangenen Winter und Frühjahr hat es jedoch wenig geregnet, was ein grosses Wasserproblem darstellt. Dieses Problem wird im kommenden Sommer noch zu einer schlimmeren  Situation führen. Deshalb planen wir den Bau einer weiteren Zisterne.

 

Im Gewächshaus gedeihen Tomaten und Gurken. Wir planen, in Zukunft Gemüsegärten anzulegen und auch sonst so viel wie möglich anzubauen, um mit der Zeit Selbstversorger zu werden und möglichst unabhängig zu sein. Viele neue Felder wurden kultiviert. Es ist unser Bestreben, bebaubares Land zu vergrössern, einerseits um das Land zu retten (unbebautes Land wird konfisziert), anderseits aber auch um die Kosten zu decken und von den Erzeugnissen des Landes zu leben.

Deshalb haben wir auch die Tierfarm mit Hühnern, Ziegen und Kaninchen eingerichtet. Das Pferd und den Esel benötigen wir als Arbeitstiere zum Kultivieren des Bodens. Auch wird der Weinberg durch die Tauben belebt, die ihre Kreise über dem Land ziehen.

 

Infrastruktur:

Beim Gebäude für die Volontäre wurde die Küche fertiggestellt und eine Terrasse errichtet, auf der das Essen eingenommen werden kann und welche die Möglichkeit für Zusammenkünfte, Gespräche, Diskussionen, Vorträge, etc. bietet.

Zwei zusätzliche, dringend benötigte Räume wurden eingerichtet, da ständig mehr und mehr Volontäre kommen.

 

Am Dach des Gebäudes für die Volontäre haben wir eine Dachrinne aus Aluminium angebracht, damit von dort aus ein Rohr das aufgefangene Regenwasser in die Zisterne leitet. Es ist geplant, das Abwasser aufzubereiten, um dieses wenigstens zum Bewässern der Bäume gebrauchen zu können.

 

Den Sitzplatz haben wir für die Durchführung der Kinderprogramme im Sommer vorbereitet.

Der Zeltplatz wurde verbessert.

Eine mit Internetanschluss ausgestattete Höhle ist als Büro eingerichtet. Verbesserungen sind jedoch noch geplant.

Die Arbeiten an der grossen, neu erschlossenen Höhle werden fortgesetzt, um einen weiterer  Raum zu gewinnen.

Ein neuer Generator, gespendet von Freunden von Tent of Nations aus USA, wurde installiert, um von der Energieversorgung unabhängig zu werden.

 

Pläne für die nahe und weitere Zukunft:

Im Juni 2008 beginnen wir unter Mithilfe von „Grüne Helme“ Deutschland mit der Installation einer Solaranlage. Auch wollen wir eine Einrichtung zur Windenergie-Erzeugung  installieren.

Einrichtung eines Ladens zum Verkauf von  kleinen Geschenken sowie einer Cafeteria.

 

In absehbarer Zukunft werden wir auf dem Land viel ernten können. Durch fachkundige Schulung soll der Ertrag verbessert werden. Sodann wird es nötig werden, einen Absatzmarkt für die Produkte (Öl, Mandeln, Äpfel, Aprikosen, Rosinen) zu finden. Für die landwirtschaftliche Schulung auf dem Weinberg sollen auch Leute (Frauen wie Männer) aus dem Dorf Nahalin und anderen Dörfer eingeladen werden, um sie zu motivieren, grösstmögliche Stücke ihres Landes zu bebauen.

 

Ein Bagger muss angeschafft werden, da eigene Maschinen z.B. zum Kultivieren des Landes gebraucht werden. Wenn das Gebiet rund um den Weinberg und die Dörfer geschlossen sein wird, ist es nicht mehr möglich, Maschinen hierher zu bringen. Auch ein eigener Tank ist angesichts der bevorstehenden Wasserknappheit notwendig. Mit unserem Traktor könnten wir zur Einsparung von Kosten den Transport eines eigenen Tanks selbst besorgen.

 

Besuche / Aktivitäten:

Im Winter führten wir wie alljährlich eine Baumpflanzaktion durch. Zweimal fanden diesbezügliche Camps statt.

 

Während der drei ersten Monate im Jahr hatten wir zahlreiche Besuche von Gruppen und Einzelpersonen, die teilweise tageweise oder längerfristig auf dem Land mitarbeiteten oder kamen, um sich über die allgemeine Situation und das Projekt zu informieren.

Es kamen:

253 Personen aus USA

224 Personen aus Deutschland

50 Personen aus Holland

80 Palästinensische Schüler und Jugendliche

39 Personen aus England

65 Israelische Friedensaktivisten

5 Personen aus Frankreich

2 Personen aus der Schweiz

2 Personen aus Australien

Einige Familienangehörige von Zivis, die ihren Zivildienst auf dem Land absolvierten, kamen zu Besuch und wohnten für kurze Zeit auf dem Weinberg.

 

Eine Gruppe von 60 Personen (Palästinenser und Israeli) kam zu Besuch. Es war erfreulich zu sehen, wie viele Menschen sich für ein friedliches Miteinanderleben engagieren und mithelfen, Brücken der Verständigung zu bauen. Ziel einer solchen Begegnung ist zudem, Informationen zur aktuellen Situation in Palästina weiter zu geben.

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Folgende Begebenheit war sehr bemerkenswert: Eine israelische Frau hatte ihre Freundin aus der dem Weinberg benachbarten Siedlung eingeladen, auch auf den Weinberg zu kommen. Tent of Nations ist einen Ort, der offen ist, für alle die ihn respektieren. Diese Israelin kam und berichtete, dass sie seit 9 Jahren in der Siedlung wohne und nicht gewusst habe, dass sie Nachbarn habe und dass diese ohne Strom und Wasser leben.

Sie zeigte sich sehr betroffen. Vom Weinberg aus könne man sogar das Haus sehen, in dem sie wohne.

 

Jugendaktivitäten:

Im Januar 2008 fand ein internationaler Jugendaustausch statt: Ein Treffen mit palästinensischen Jugendlichen mit einer Gruppe aus Deutschland und einer aus England.Wir hatten spezielle Programme vorbereitet.

 

Volontäre:

Die Brüder Evert und Theo aus Holland arbeiteten während 1 ½ Monaten

(im März/April) auf dem Weinberg.

Die beiden Zivis Dominik und Joseph waren von Sept. 07 und bleiben bis Ende August 08 auf demWeinberg tätig.

Sarah aus Deutschland hat einen Monat gearbeitet.

Max und Philipp aus Deutschland arbeiteten während zwei Wochen als Volontäre auf dem Weinberg.

Steve and Nigel aus England arbeiteten während zwei Monaten auf dem Weinberg.

 

An diese Stelle möchte ich alle Volontäre für den Einsatz bei uns für die Hilfe im Projekt ganz herzlich danken.

 

Upcoming:

Volontäre:

Sebastian / Deutschland für 5 Monate

Casey aus den USA für einen Monat

Mark aus Ireland f’ür einen Monat

Markus / Deutschland  im Juli 08 für 3 Monate

2 Zivis aus Deutschland kommen im September 08 für 13 Monate

 

Fundraising/Info-Reise:

29.02.-13.03.08 Aufenthalt in Deutschland. Ich besuchte verschiedene Gemeinden und hielt Vorträge in verschiedenen Schulen sowie an der Katholischen Akademie in Münster.

 

Frauenbildungszentrum Bent Al-Reef :

Es wurden fünf PC-Kurse durchgeführt: drei Excel mit je 10, 12, und 14 Frauen und zwei Microsoft Word mit 12 und 14 Frauen.

 

Englischkurse: one Kurse gab Regula Kaufman als Volontärin und ein Kurs konnte mit einer Gruppe EAPPI Leuten durchgeführt werden.

 

Vom 14.-19. April fand bereits zum zweiten Mal eine von der Leiterin Jihan organisierte Workshop Woche statt. Diese Woche stiess auch dieses Jahr wieder auf grosses Interesse. Eine grosse Anzahl Frauen nahm an den Vorträgen teil, die stets von vielen Fragen, Bemerkungen und eigenen Erfahrungen unterbrochen wurden. Kompetente lokale Referentinnen konnten für Vorträge zu diversen Themen wie Rolle der Frauen in der palästinensischen Gesellschaft gewonnen werden, sowie Anweisungen und Informationen zur Erhaltung der Gesundheit, Vorbeugung von Osteoporosis, etc., für eine gesunde, ausgewogene Ernährung, Früherkennungsmerkmale von Sprachschwierigkeiten bei Kindern und manches mehr kam zur Sprache. Zwei Journalistinnen der Radio- und TV-Sender in Bethlehem stellten die Programme vor, die speziell auf die Anliegen der Frauen ausgerichtet sind.

Den Abschluss der Woche bildeten kunsthandwerkliche Aktivitäten unter Anleitung einer Kunstschaffenden aus Bethlehem, und anschliessend gab es ein kleines Frühstück mit von den Frauen selbst hergestellten palästinensischen Spezialitäten.

Ausführliche Informationen zur Workshop Woche sind dem separaten Bericht zu entnehmen.

 

Ein Plan für die Zukunft dieses Frauenbildungs-Projektes ist die Vernetzung mit anderen Dörfern sowie mit lokalen und internationalen Organisationen.

 

Abschliessend möchte ich allen herzlich danken, die das Projekt mit praktischer Mitarbeit, sowie mit finanziellen Mitteln und in ideeller Hinsicht unterstützt haben. Es würde uns sehr freuen, wenn wir auch weiterhin auf Ihre/Eure Unterstützung zählen dürften und/oder Sie/Euch in Bethlehem oder auf dem Land anlässlich eines Besuches begrüssen zu können.

 

Ihr/ Euer

Daoud Nassar

Tent of Nations Director


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